Das Museum

Mehr als 230 Jahre lang wurden in Saarburg Glocken gegossen. Kleine und bis zu fünf Tonnen schwere Glocken fanden ihren Weg von Saarburg aus - quer durch Europa - hinaus in die ganze Welt. Die Geschichte der Gießerfamilie Mabilon, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, bietet einzigartige Einblicke in sozialgeschichtliche, kulturhistorische und regionalgeschichtliche Entwicklungen vom 18. Jahrhundert an bis in die heutige Zeit.

Der Weitsicht des letzten Glockengießermeisters, Wolfgang Hausen-Mabilon, haben wir es zu verdanken, dass die Produktionsstätte in den 50er Jahren nicht wie im Falle so vieler anderer alter Handwerksbetriebe in moderne Industriegebiete verlegt wurde. Erhalten und heute noch erlebbar blieb so die jahrhunderte alte Tradition des Glockengusses in einem einzigartigen Gebäudekomplex im Altstadtbereich der Stadt Saarburg. Vom Zeichenzimmer, in dem die Meister den Glockenton berechneten und die Rippe entwarfen, über den Lehmraum und die Werkstätten bis hin zum Kronenzimmer und der Gießhalle spiegelt sich ein Produktionszeitraum vieler Jahrhunderte wieder.

Ende des Jahres 2002 wurde die Produktion der Glocken aus Altersgründen aufgegeben. Doch was sollte mit dem anerkannten Denkmal passieren? Marlis und Wolfgang Hausen-Mabilon selbst führten es schon 2003 einer der Funktionen zu, die es aus jetziger Sicht auch in Zukunft haben wird. Sie machten aus ihrer Glockengießerei ein Museum und bauten ein touristisches Konzept auf, das in der Hochsaison monatlich bis zu 1200 Gäste aus aller Welt willkommen heißt. Als Museum und Kulturstätte ist es von unschätzbarem Wert für die Wirtschaftsfaktoren Kultur und Tourismus, die die Saarburger Region so sehr prägen und beeinflussen.

Seit dem 1. Juli 2008 ist die Stadt Saarburg nun Eigentümerin des gesamten Ensembles. Der Trägerverein, das Lokale Bündnis für Familie e.V. hat nun nach fünf Jahren intensiver Aufbauarbeit ein sozio-kulturelles Zentrum auf dem ehemaligen Gelände aufgebaut, das neben dem Museum auch ein Mehrgenerationenhaus, eine Kinder- und Jugendkunstschule und eine Ehrenamtsbörse beherbergt. Im angeschlossenen Neubau hat das integrative Begegnungscafé Urban seinen Platz gefunden.

Mit dem Jahr 2013 konnte im Februar auch die Tradition des Glockengusses nach 10 Jahren Ruhe wieder in der alten Gießhalle aufgenommen werden. Zusammen mit der Firma Schmitt aus Brockscheid wurde eine 100 kg schwere Glocke für den Turm der KulturGießerei gegossen. Dies konnte Dank der Spende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins umgesetzt werden. Auch in Zukunft soll diese Tradition fortgeführt werden. Interessenten, die gerne eine Glocke gießen lassen möchten, könnten sich bei der Geschäftsführung des Museums informieren.